Merkblatt „Waffen­be­sitz und Epilepsie“

Personen, die zur Annahme Anlass geben, dass sie sich selbst oder Dritte mit der Waffe gefährden könnten, haben nach Art. 8 Abs. 2 lit. c Waffen­ge­setz (WG, SR 514.54) keinen Anspruch auf eine Waffenerwerbs-Bewilligung und sind damit nicht berech­tigt, Waffen zu erwerben und zu besitzen. Die entspre­chende Prüfung erfolgt durch die kanto­nalen Behörden. Mit dem Ziel, die missbräuch­liche Verwen­dung von Waffen und Unfälle mit Waffen zu verhin­dern, räumen das Gesetz und die Recht­sprechung den kanto­nalen Behörden dabei einen grossen Ermes­sen­spiel­raum ein.

Ein epilep­ti­scher Anfall während des Schies­sens mit einer Feuer­waffe kann für den Schützen oder für Dritte fatale Folgen haben. So könnte durch eine unwill­kür­liche Bewegung im Anfall oder durch eine anfalls­be­dingte Beein­träch­ti­gung des Bewusst­seins und der Verhal­tens­kon­trolle eine ungewollte Schuss­ab­gabe erfolgen.

Der Vorstand der Schwei­ze­ri­schen Epilepsie-Liga will mit diesen Empfeh­lungen die behan­delnden Ärzte und die zustän­digen Organe wie auch Betrof­fene selber unter­stützen, die Eignung für den Waffen­erwerb und Waffen­be­sitz bei Menschen mit Epilep­sien einschätzen zu können. Ziel ist es, Gefahren zu minimieren, ohne Epilepsie­betroffene in unver­hält­nis­mäs­sigem Ausmass vom Waffen­be­sitz auszuschliessen.

Die Waffen­kom­mis­sion der Schwei­ze­ri­schen Epilepsie-Liga, August 2020
Marco Beng, Julia Franke, Martinus Hauf, Stephan Rüegg

Empfeh­lungen

  1. Von Epilepsie betrof­fene Menschen, bei denen trotz Behand­lung weiterhin Anfälle auftreten, sollten keinen Umgang mit Waffen haben.
    Der Erwerb, Besitz und Gebrauch von Feuer­waffen zu Sport‑, Jagd- oder Sammel­zwe­cken ist grund­sätz­lich möglich, wenn Epilep­sie­be­trof­fene gemäss den aktuellen Richt­li­nien „Fahreig­nung mit Epilepsie“ zum Führen eines Perso­nen­wa­gens (Kat. A/B) berech­tigt sind und wenn keine anderen Gründe nach Art. 8 Abs. 2 des Waffen­ge­setzes dagegen sprechen.
  2. Nach erst- oder einma­ligen Anfällen, nach Rückfällen oder beim Absetzen der Medika­mente sollten die gleichen Karenz­fristen wie für die Fahreig­nung beachtet werden.
  3. Wir empfehlen den behan­delnden Ärzten, betrof­fene Patienten entspre­chend zu infor­mieren; falls relevant, sollten sie ihre Einschät­zung erläu­tern und die Aufklä­rung in den Patien­ten­un­ter­lagen dokumen­tieren. Eine generelle ärztliche Melde­pflicht besteht nicht, hingegen besteht ein Melde­recht für Personen, die unter Amts- oder Berufs­ge­heimnis stehen (Waffen­ge­setz Artikel 30b).
  4. Wir empfehlen Waffen­be­sit­zern dringend, bei Auftreten eines Anfalls den Gebrauch von Feuer­waffen sofort einzu­stellen und den weiteren Gebrauch der Waffen mit einem Neurologen/ Neuro­päd­iater zu bespre­chen. Besteht keine realis­ti­sche Aussicht auf Anfalls­frei­heit, empfehlen wir, die Waffe/n an eine berech­tigte Person abzugeben (Waffen­händler oder Privat­person mit Waffenerwerbsbewilligung).
  5. Epilep­sie­be­trof­fenen Personen, die eine Waffen­trag­be­wil­li­gung beantragen oder bereits besitzen, empfehlen wir ein Vorgehen analog zum Erwerb von Waffen.
  6. Bei Fragen wenden Sie sich an das zustän­dige kanto­nale Waffenbüro.
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