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Anfalls­formen2018-04-16T10:26:35+00:00

Anfalls­formen

Man unter­scheidet zwei Haupt­formen epilep­ti­scher Anfälle, den genera­li­sierten und den fokalen Anfall. Ein genera­li­sierter Anfall liegt vor, wenn von Anfang an das ganze Gehirn von Entla­dungen der Nerven­zellen erfasst wird.

Finden die Entla­dungen nur an einem Ort im Gehirn statt, dem so genannten Herd oder Fokus, so spricht man von einem fokalen Anfall. Breiten sich die Entla­dungen anschlies­send über das gesamte Gehirn aus, spricht man von einer sekun­dären Genera­li­sie­rung des Anfalls. Medizi­ni­sche Fachleute unter­scheiden anhand von klini­schen Symptomen und EEG‐Befunden verschie­dene Anfalls­formen.

Absencen

Absencen sind „kleine“, sehr kurze Anfälle ohne Krampfen. Führendes Zeichen ist eine kurze „Abwesen­heit“ mit fehlender Ansprech­bar­keit und Erinne­rungs­lücke. Absencen kommen bei Klein‐ und Schul­kin­dern am häufigsten vor und sind bei Kindern die mit Abstand häufigste Form epilep­ti­scher Anfälle. Mit zuneh­mendem Alter werden sie immer seltener.

Myoklo­ni­sche Anfälle

Myoklo­ni­sche Anfälle zeichnen sich aus durch plötz­liche, „einschies­sende“ und kurzdau­ernde Zuckungen meist umschrie­bener Muskel­gruppen des Körpers mit einem dadurch bewirkten Bewegungs­ef­fekt ohne Bewusst­seins­stö­rung. Manche myoklo­ni­sche Anfälle betreffen nur die Schulter‐ und Armmus­ku­latur, bei anderen Formen können alle Muskeln betei­ligt sein. Die Stärke kann sehr unter­schied­lich sein. Myoklo­ni­sche Anfälle gehören zu den genera­li­sierten Anfällen und können in jedem Lebens­alter vorkommen.

Fokale Anfälle

Fokale Anfälle beginnen in einem umschrie­benen Abschnitt des Gehirns, zum Beispiel in einem Teil des Schlä­fen­lap­pens oder im Stirn­lappen. Zum Teil bleiben sie auch auf diesen Abschnitt beschränkt. Sie können mit oder ohne Bewusst­seins­stö­rung auftreten und sehr unter­schied­liche Formen annehmen. Teilweise sind sie für Fremde kaum zu bemerken. Bei Anfällen mit Bewusst­seins­stö­rung wirken die Betrof­fenen abwesend entrückt, losge­löst ohne normalen Kontakt, wie in Trance oder im Traum.

Genera­li­sierte tonisch‐klonische Anfälle

Genera­li­sierte tonisch‐klonische Anfälle sind die drama­tischste Form epilep­ti­scher Anfälle, auch Grand mal genannt. Diese Anfallsart hat drei Phasen. Zeichen der tonischen Phase sind Bewusst­lo­sig­keit, Sturz, Verstei­fung des ganzen Körpers und weite, licht­starre Pupillen. In der kloni­schen Phase treten ein grobes Zucken im Gesicht sowie an Armen/Beinen und Rumpf sowie ein kurzer Atemstill­stand auf. In der Nachphase setzt die Atmung wieder ein, das Bewusst­sein wird wieder erlangt und die/der Betrof­fene ist erschöpft.

Grand mal‐Anfälle können sich auch aus fokalen Anfällen entwi­ckeln. Man nennt sie dann sekundär genera­li­sierte tonisch‐klonische Anfälle. Manchmal kann hinterher aus Schil­de­rungen oder Beobach­tungen auf den Ausgangs­punkt des Anfalls im Gehirn geschlossen werden.

Status epilep­ticus

Als Status epilep­ticus werden länger als fünf Minuten anhal­tende einzelne epilep­ti­sche Anfälle oder so rasch aufein­ander folgende Anfälle bezeichnet, bei denen es zwischen­zeit­lich nicht zu einer Erholung kommt. Es gibt epilep­ti­sche Staten mit und ohne Krampfen und solche mit und ohne Bewusst­seins­ver­lust. Ein konvul­siver Status epilep­ticus ist ein lebens­be­droh­li­cher Notfall und muss sofort konse­quent behan­delt werden.

Autor: Günter Krämer, letzte Aktua­li­sie­rung: 2017

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