|||Über Alfred Haupt­mann
Über Alfred Haupt­mann2018-05-16T09:49:33+00:00

Über Alfred Haupt­mann

 

* 29. August 1881 in Gleiwitz, Oberschle­sien
† 5. April 1948 in Boston, Massa­chu­setts

Alfred Haupt­mann entdeckte die Wirkung des ersten modernen Antiepi­lep­ti­kums. Zu seinen Ehren wird seit 1980 der Alfred‐Hauptmann‐Preis für Epilep­sie­for­schung verliehen.

Nach dem Studium in Heidel­berg und München war Haupt­mann ab 1905 zunächst Assis­tent in Heidel­berg, erst bei dem Neuro­pa­tho­logen Franz Nissl, dann bei dem Neuro­logen Wilhelm Erb. 1909 wechselte er zu Max Nonne nach Hamburg, 1911 zu Alfred E. Hoche in Freiburg, wo er sich 1912 habili­tierte und nach dem Kriegs­dienst 1918 zum ausser­plan­mäs­sigen Professor ernannt wurde.

1926 wurde er als Nachfolger von Gabriel Anton zum Direktor der Psych­ia­tri­schen und Nerven­klinik der Univer­sität Halle / Saale berufen. Dort wurde er aufgrund seiner jüdischen Abstam­mung trotz seiner bereits in der Jugend erfolgten Konver­tie­rung zum Protes­tan­tismus zum 31.12.1935 von den Natio­nal­so­zia­listen aus dem Dienst entfernt und vorüber­ge­hend im Konzen­tra­ti­ons­lager Dachau inhaf­tiert. 1939 gelang ihm die Emigra­tion zunächst in die Schweiz, von dort aus weiter in die USA nach Boston, wo er 1948 nach Angaben seiner Frau an „gebro­chenem Herzen“ starb.

Ein Meilen­stein in der Geschichte der Epilep­to­logie

Nachdem drei Jahre zuvor auf die prinzi­pi­elle Wirksam­keit von Barbi­tu­raten bei Epilepsie hinge­wiesen worden war, beschrieb Haupt­mann 1912 noch als Assis­tent in einer kleinen, auf seinen Beobach­tungen beruhenden Arbeit in der Münchner Medizi­ni­schen Wochen­schrift (1) erstmals die Wirksam­keit des im gleichen Jahr als Hypno­tikum zugelas­senen Pheno­bar­bi­tals bei Epilepsie, die er 1919 ergänzte (2). Nach dem heute weitge­hend verlas­senen Kalium­bromid stand damit das zweite wirksame Medika­ment zur Epilep­sie­t­he­rapie zur Verfü­gung. Erst Jahre später gelang es den US‐Amerikanern H. Houston Merritt und Tracy J. Putnam, mit Pheny­toin ein Pheno­bar­bi­tal­de­rivat mit gleicher Wirksam­keit, aber ohne die bei der Epilep­sie­t­he­rapie störende Sedie­rung zu entwi­ckeln.

In seiner 1917 im Springer‐Verlag erschie­nenen, inzwi­schen als E‐Book wieder erhält­li­chen Monografie „Über Epilepsie im Lichte der Kriegs­er­fah­rungen“ (3) berich­tete Haupt­mann über posttrau­ma­ti­sche Epilep­sien aufgrund von Verlet­zungen im Ersten Weltkrieg. Dabei betonte er bereits die Bedeu­tung geneti­scher Faktoren.

Während seiner Zeit in den USA beschrieb er erstmals, gemeinsam mit dem ebenfalls deutsch­stäm­migen und wegen seines jüdischen Glaubens emigrierten Inter­nisten Siegfried J. Thann­hauser (1885–1962), die später auch nach ihnen beiden benannten autosomal‐dominanten Muskel­dys­tro­phie mit frühen Kontrak­turen und Kardio­myo­pa­thie (4).

Pheno­bar­bital zählt in der Erwachsenen‐Epileptologie heute nicht mehr zu den Antiepi­lep­tika erster Wahl, was bei einigen kindli­chen Epilepsie‐Syndromen aber nach wie vor der Fall ist. Unabhängig davon wird Pheno­bar­bital aufgrund seines günstigen Preises in ressour­cen­armen Ländern nach wie vor sehr häufig einge­setzt und ist manchmal das einzig verfüg­bare Medika­ment.

Autor: Günter Krämer, 2016

1) Haupt­mann A., „Luminal bei Epilepsie“. Münchner Medizi­ni­sche Wochen­schrift 1912; 59: 1907–1909.
2) Haupt­mann A., „Erfah­rungen aus der Behand­lung der Epilepsie mit Luminal“. Münchner Medizi­ni­sche Wochen­schrift 1919; 46: 1319–1321.
3) Haupt­mann A., Über Epilepsie im Lichte der Kriegs­er­fah­rungen. Berlin, J. Springer 1917. Als E‐Book auf Google.
4) Haupt­mann A, Thann­hauser SJ., „Muscular shortening and dystrophy. A heredo­fa­mi­lial disease“. Arch Neurol Psych­iatry 1941; 46: 654–664.