|Epilep­sien: Neue Klassi­fi­ka­tion liegt auf Deutsch vor

Epilep­sien: Neue Klassi­fi­ka­tion liegt auf Deutsch vor

2018-12-05T11:59:47+00:00

Die Inter­na­tio­nale Liga gegen Epilepsie (ILAE) hat Epilep­sie­formen und Anfalls­typen neu benannt und unter­teilt. Nun hat eine Taskforce die Dokumente auf Deutsch übersetzt.

(Zürich) Fast drei Jahrzehnte nach der letzten Epilepsie‐Klassifikation hat die Inter­na­tional League Against Epilepsy (ILAE) im Jahr 2017 eine neue Eintei­lung vorge­legt. Diese ist nun mit drei Artikeln in der „Zeitschrift für Epilep­to­logie“ erstmals auf Deutsch erschienen. Verant­wort­lich für die Überset­zung ist eine Ad‐hoc‐Taskforce der Deutschen und der Öster­rei­chi­schen Gesell­schaften für Epilep­to­logie mit der Schwei­ze­ri­schen Epilepsie‐Liga. Darin wirkten zwei Vertreter der Epilepsie‐Liga mit, Präsi­dent Prof. Dr. Stephan Rüegg (Basel) und der ehema­lige Präsi­dent Dr. Günter Krämer (Zürich).

Präzi­sere Diagnosen ermög­li­chen

Ziel der neuen Klassi­fi­ka­tion sind letzt­lich bessere Thera­pie­ent­schei­dungen: „Es gibt mehr Möglich­keiten für Epilepsie‐Diagnose und ‑Therapie als bei Entste­hung der alten Klassi­fi­ka­tion in den 1980er Jahren“, sagte Robert Fisher (Stanford), Erstautor von zwei der drei Artikel. „Die richtige Therapie hängt oft davon ab, ob man den genauen Anfallstyp kennt.“

Viele Anfalls­typen waren in den 1980er Jahren noch gar nicht bekannt, andere ältere Bezeich­nungen sind schwer zu verstehen. Beispiels­weise ist ein „bewusst erlebt fokaler“ Anfall für Betrof­fene und Angehö­rige besser verständ­lich als die alte Bezeich­nung „einfach partiell“. Der teilweise irrefüh­rende Begriff „benigne“ (gutartig) wird je nach Epilep­sie­form durch „selbst­li­mi­tiert“ oder „pharma­ko­re­sponsiv“ ersetzt.

Einer der drei Artikel befasst sich konkret mit der Anwen­dung der neuen Klassi­fi­ka­tion im klini­schen Alltag. Er enthält eine einfache Klassi­fi­ka­tion („Basis­ver­sion“) sowie die erwei­terte Version, eine Zusam­men­fas­sung der Regeln für das Klassi­fi­zieren von Anfällen, ein Glossar, die Gegen­über­stel­lung alter und neuer Termini sowie Beispiele aus der Praxis.

Eine beson­dere Heraus­for­de­rung war die Überset­zung des engli­schen Begriffts ‚awareness‘, für den es keine adäquate Überset­zung im Deutschen gibt“, berichtet Stephan Rüegg, Präsi­dent der Epilepsie‐Liga – zumal im Engli­schen zwischen „awareness“ und „conscious­ness“ unter­schieden wird. Meist wählte die Taskforce für „aware“ die Umschrei­bung „bewusst erlebt“.

Ein grosser Schritt

Die neue Klassi­fi­ka­tion ist eine sehr willkom­mene Initia­tive und ein wertvolles Hilfs­mittel, das auf verschie­denen Ebenen zu Verbes­se­rungen führen wird“, sagt Rüegg. „Die leich­tere Verständ­lich­keit hilft allen: Die Diagnosen werden genauer und für die Betrof­fenen besser verständ­lich.“ Letzt­lich nützten präzi­sere Diagnosen nicht nur der Behand­lung, sondern auch der Forschung.

Natür­lich gibt es weiterhin noch ungelöste Fragen und Diskus­sionen“, sagt Rüegg. „Trotzdem ist die neue Klassi­fi­ka­tion ein grosser Schritt für die Epilep­to­logie.“

Links zu allen drei Artikeln auf Deutsch