|Was wir von Knuts Tod lernen können

Was wir von Knuts Tod lernen können

2018-12-20T10:39:15+00:00

Im Berliner Zoo war der herzige Eisbär Knut ein Star. Vierjährig ertrank er urplötz­lich in seinem eigenen Wasser­graben – ein Schock für Zoobe­su­cher und Mitar­beiter. Inzwi­schen wissen wir: Grund für diesen Tod war ein epilep­ti­scher Anfall, verur­sacht durch eine Hirnent­zün­dung. 

Knut war von Anfang an ein Publi­kums­lieb­ling – ein Foto aus gesunden Tagen.

Süsser geht’s nicht“, titelten die Gazetten im März 2007, als der kleine Eisbär im Berliner Zoo endlich der Öffent­lich­keit präsen­tiert wurde. Weil die Mutter den Kleinen nicht annahm, musste Knut zuvor rund um die Uhr versorgt worden. Das erste Eisbärbaby in Berlin seit 30 Jahren war von Anfang an ein Star.

Vier Jahre später war Knut kein knudde­liges Baby mehr, doch immer noch eine populäre Erschei­nung im Berliner Zoo. Am 19. März 2011 verhielt er sich seltsam: Er drehte sich ziellos und unkoor­di­niert um seine eigene Achse und wurde immer langsamer. Ein epilep­ti­scher Anfall, wie man heute sicher weiss. Vor den Augen der entsetzten Besucher glitt er plötz­lich aus und plumpste offenbar bewusstlos in den Wasser­graben. Niemand konnte das inzwi­schen rund eine halbe Tonne schwere Tier vor dem Ertrinken retten. Wäre der Anfall fern vom Wasser passiert, hätte Knut ihn fast sicher überlebt. Norma­ler­weise werden Eisbären 25 bis 30 Jahre alt.

Behan­del­bare Krank­heit

Nach ausführ­li­chen Unter­su­chungen gaben zwei Spezia­listen die Ursache des Anfalls bekannt: Knut litt an einer Hirnent­zün­dung, verur­sacht durch eine Autoim­mun­erkran­kung.

Diese sogenannte Anti‐NMDA‐Rezeptor‐Enzephalitis kommt auch bei Menschen vor und wurde erstmals 2007 diagnos­ti­ziert. Bei Knut wurde sie erstmals im Tierreich nachge­wiesen. Fehlge­lei­tete Antikörper greifen wichtige Teile des Gehirns an – die Folge sind Hallu­zi­na­tionen, Demenz und epilep­ti­sche Anfälle. Einmal erkannt, lässt sich die Krank­heit inzwi­schen gut behan­deln.

So hat Knuts tragi­scher Tod noch sein Gutes: Sein promi­nenter Fall macht diese Form der Hirnent­zün­dung bekannter. Das nützt anderen Patienten mit dem gleichen Leiden – Menschen und Tieren.

Artikel aus Epilepsie‐News 3/2018

Foto: Thomas Imo/Alamy Stock Photo

Epilepsie‐News 3/2018