|Was ich wirklich will, schaffe ich auch”

Was ich wirklich will, schaffe ich auch”

2018-09-11T17:22:14+00:00
Margitta Seeck

Margitta Seeck

Margitta Seeck ist eine der wenigen Profes­so­rinnen mit Spezi­al­ge­biet Epilepsie; seit 2011 engagiert sie sich im Vorstand der Epilepsie‐Liga. Im Gespräch verrät sie, welchen Sinn Richt­li­nien haben und warum sie noch Kontakt zum Chef einer IT‐Firma in London hat.

Epilepsie‐News: Wie kamen Sie zur Neuro­logie?

Ich hatte zuerst Psycho­logie studiert, das Nerven­system hat mich also inter­es­siert. Ausserdem hiess es, Neuro­logie sei am schwie­rigsten – das hat mich gereizt. Zur Epilepsie kam ich dann eher zufällig.

An welchen Patienten können Sie sich noch gut erinnern?

An einige! Ein junger Mann hatte trotz Medika­menten immer wieder Anfälle. Sein Neuro­loge sagte ihm, er käme nicht für eine Opera­tion infrage. Dank seiner hartnä­ckigen Freundin bat er uns um eine Zweit­mei­nung. Tatsäch­lich war seine Epilepsie sehr gut operabel. Seit seiner Opera­tion ist er anfalls­frei und muss auch keine Medika­mente mehr nehmen. Heute leitet er eine grosse IT‐Firma in London – gelegent­lich haben wir noch Kontakt.

Gibt es auch Forschung, die den Patienten nützt?

Ich engagiere mich beispiels­weise dafür, dass alle gleich nach einem ersten Anfall direkt zu Neuro­logen kommen, die auf Epilepsie spezia­li­siert sind. Dafür haben wir vergli­chen, wie es den unter­schied­lich betreuten Patien­ten­gruppen nach einigen Jahren geht. Das Ergebnis: Wer direkt von Spezia­listen betreut wird, hat durch­schnitt­lich weniger Notfälle und nimmt seine Medika­mente regel­mäs­siger. Nur ist es nicht leicht, das in der Praxis auch überall durch­zu­setzen.

In einer länder­über­grei­fenden Arbeits­gruppe haben Sie Richt­li­nien formu­liert  zum Thema Abklä­rungen für eine Epilepsie‐Operation. Was bringen sie?

Sie helfen, das Richtige zu tun. Gerade konnten wir in einer Studie, die etliche Epilep­sie­zen­tren in Europa umfasst, den Erfolg dokumen­tieren: Seit Einfüh­rung der Richt­li­nien kommen die Patien­tinnen und Patienten etwas früher zu den Spezia­listen, und die Zahl der Opera­tionen hat zugenommen. Ausserdem haben sich die Ergeb­nisse verbes­sert, d.h. mehr Operierte haben danach keine Anfälle mehr.

Ein schöner Erfolg! Und warum gibt es bei uns keine Richt­li­nien für ein Vorgehen nach dem ersten Anfall?

Die würde ich mir wünschen! Das betrifft natür­lich viel mehr Ärztinnen und Ärzte als nur solche, die auf Opera­tionen spezia­li­siert sind. Entspre­chend schwierig wäre es, Regeln zu beschliessen und auch durch­zu­setzen. Zumin­dest im vielfäl­tigen Schweizer Gesund­heits­system.

Wie verbringen Sie am liebsten Ihre Freizeit?

Ich wandere gerne in den Schweizer Bergen und gehe in die Oper oder auch an Jazzkon­zerte.

Mussten Sie sich eigent­lich als Frau in Ihrer Karriere beson­ders durch­setzen?

Es gibt immer noch Orte, wo keine Frauen dazu gebeten werden. Zu den Pionieren zu gehören, strengt dann manchmal an. Aber meine Erfah­rung ist: Was ich wirklich will, schaffe ich auch.

 

Prof. Dr. Margitta Seeck leitet seit 2007 die Abtei­lung für EEG und Epilep­to­logie am Univer­si­täts­spital Genf (HUG), seit 2015 ist sie Profes­sorin. Dem Vorstand der Epilepsie‐Liga gehört sie seit 2011 an. Sie wurde im deutschen Westfalen geboren, studierte und arbeitet u.a. in München, Boston und Berlin und hat heute einen Schweizer und einen deutschen Pass. Im Frühling 2018 erhielt sie für ihre Forschung den Berger Award, der nur alle vier Jahre vom inter­na­tio­nalen Verband für klini­sche Neuro­phy­sio­logie (IFCN) vergeben wird.

Artikel aus Epilepsie‐News 2/2018