Corona Virus

Die Schweiz ist im Ausnah­me­zu­stand. Unsere Antworten auf Fragen für Menschen mit Epilepsie und deren Angehö­rige zum Corona­virus und der Krank­heit Covid-19.

25. März 2020

Allge­mein heisst es, Menschen mit Vorer­kran­kungen seien beson­ders gefährdet. Zählt Epilepsie nicht dazu?

Nein, Epilepsie allein zählt nicht zu den vom BAG genannten Vorer­kran­kungen. Das ändert sich, wenn weitere Erkran­kungen hinzukommen.

Neues Corona­virus: Beson­ders gefähr­dete Personen

Trotzdem sollten sich alle vor einer Anste­ckung schützen und die Empfeh­lungen befolgen.

So schützen wir uns

Schaden Epilepsie-Medikamente dem Immun­system und machen damit anfälliger?

Das trifft nur auf wenige Behand­lungs­me­thoden eindeutig zu, zum Beispiel ACTH, Steroide und Immun­the­ra­pien sowie in gerin­gerem Masse für Pheny­toin, Pheno­bar­bital oder Primidon (Mysoline®). Die meisten Epilep­sie­be­trof­fenen haben ein normales Immun­system, wenn es nicht durch andere Krank­heiten oder Behand­lungen geschwächt ist. Antiepi­lep­tika sollten unbedingt weiter regel­mässig einge­nommen werden.

Nehmen die Anfälle durch eine Covid-19-Erkrankung zu?

Fieber kann epilep­ti­sche Anfälle auslösen. Mögliche Anfalls­aus­löser sind zudem Stress, Ängste oder schlechter Schlaf durch die aktuelle Situa­tion, unregel­mäs­siges Essen und Trinken oder unregel­mäs­sige Medika­men­ten­ein­nahme (z.B. wegen Erbre­chen). Nach den bishe­rigen Infor­ma­tionen aus stärker betrof­fenen Ländern ist die Gefahr für zusätz­liche Anfälle durch Covid-19 für die meisten Epilep­sie­be­trof­fenen eher gering.

Was tun, wenn die Anfälle nach einer Anste­ckung zunehmen?

Rufen Sie in diesem Fall Ihre Hausärztin und den behan­delnden Neuro­logen an und folgen Sie deren Anwei­sungen. Mögli­cher­weise ist es in diesem Fall sinnvoll, ein Notfall­me­di­ka­ment vorrätig zu haben. Dauert ein Krampfan­fall länger als 3 Minuten und ist kein Notfall­me­di­ka­ment verfügbar, oder es hilft nicht:  Betrof­fenen vor Verlet­zungen schützen und 144 anrufen.

Erste Hilfe bei einem Anfall

Mein Arzttermin wurde abgesagt. Was kann ich tun?

Derzeit müssen die Gesund­heits­ein­rich­tungen auf verschieb­bare Eingriffe und Behand­lungen verzichten. Warte­zimmer stellen zudem eine erhöhte Anste­ckungs­ge­fahr dar. Besteht ein dringender Bedarf, sollte eine telefo­ni­sche Konsul­ta­tion möglich sein. Ansonsten muss der Termin zu einem späteren Zeitpunkt nachge­holt werden.

Derzeit sind Medika­mente ratio­niert. Was bedeuten das für Menschen mit Epilepsie?

Die Massnahme des BAG betrifft alle verschrei­bungs­pflich­tigen Arznei­mittel, also auch Epilepsie-Medikamente. Chronisch Kranke wie Epilep­sie­be­trof­fene dürften ihren Bedarf für maximal zwei Monate decken. Wir empfehlen einen kleinen persön­li­chen Vorrat – kümmern Sie sich recht­zeitig per Telefon um ein neues Rezept. Nach dem Ende der aktuellen Krise werden wir uns dafür engagieren, dass eine grössere Vorrats­hal­tung möglich ist, denn die Gefahr von Engpässen besteht unabhängig von der aktuellen Situation.

Autor: Stephan Rüegg; letzte Aktua­li­sie­rung: 25. März 2020.