
Yasargil
Mahmut Gazi Yaşargil
Nur etwa drei Wochen vor seinem 100. Geburtstag verstarb Mahmut Gazi Yaşargil am 10. Juni 2025 in Stäfa, Kanton Zürich. Er war Ehrenmitglied der Epilepsie-Liga und Träger der Tissot-Medaille.
Mahmut Gazi Yaşargil wurde am 6. Juli 1925 in Lice im Osten der Türkei geboren. Auf den Schulbesuch in Ankara folgte das Studium in Westeuropa mit Reise über Wien nach Jena. Dort begann er 1944 sein Medizinstudium und wechselte bald darauf nach Basel mit Promotion 1950. Nach Stellen in der Psychiatrie, Inneren Medizin und Allgemein-Chirurgie sowie einer Forschungsstelle in Neuroanatomie zog er 1953 für die Facharztausbildung an die Neurochirurgische Klinik des Universitätsspitals Zürich (USZ). Nach seiner Zeit als Assistenzarzt wurde er 1957 Oberarzt, 1960 folgte die Habilitation und Ernennung zum Privatdozenten. Im Rahmen eines Forschungsstipendiums in den USA entwickelte er zusammen mit Raymond Donaghy die mikrovaskuläre Chirurgie.
Nach seiner Rückkehr nach Zürich 1969 wurde er zum Professor ernannt und führte in der Folge zunehmend vaskuläre und andere mikroneurochirurgische Techniken inkl. des Operationsmikroskops und neuer, von ihm entwickelter Instrumente ein. 1973 trat er die Nachfolge von Hugo Krayenbühl als Direktor der Neurochirurgischen Klinik des Universitätsspitals Zürich an. Nach seiner Pensionierung in Zürich hatte er während vieler Jahre eine Professur für Neurochirurgie am Department of Neurosurgery der University of Arkansas in Little Rock, Arkansas, USA, inne. Ab 2013 war er an der Abteilung für Neurochirurgie der Yeditepe-Universität in Istanbul tätig.
Auf dem Gebiet der Epileptologie wird sein Name für die Einführung der transsylvischen selektiven Amygdala-Hippokampektomie (sAHE) in die klinische Praxis zur Behandlung pharmakorefraktärer Temporallappenepilepsien in Erinnerung bleiben. Für seine herausragenden Leistungen wurde Mahmut Gazi Yaşargil vielfach ausgezeichnet, u.a. mit der Tissot-Medaille der Schweizerischen Epilepsie-Liga im Jahr 2015. Seit 1983 war er mit der Krankenschwester Dianne Bader-Gibson Yaşargil verheiratet, die ihm seit 1973 bei Operationen assistiert hatte und die aktiv zu vielen seiner Veröffentlichungen beitrug.
Wer mehr sehen möchte, dem sei ein YouTube-Video empfohlen, das Ende April 2025 in Stäfa aufgenommen wurde und in dem Yasargil − leider zu früh − seinen 100. Geburtstag feiert. Er spricht darin sehr humorvoll über sein privates und berufliches Leben: Professor Gazi Yasargil at Age 100.
Günter Krämer, Zürich