|Ich bereue es nicht“

Ich bereue es nicht“

2018-05-03T13:28:09+00:00
Ich bereue es nicht

Danielle begrüsst ihre Mutter mit einem Lächeln.

Epilepsie ist keine geistige Behin­de­rung, doch haben Menschen mit geistiger Behin­de­rung häufiger als andere epilep­ti­sche Anfälle. Danielle ist eine davon. Ihre Mutter erzählt.

 

Das Hirn meiner Tochter wurde bei ihrer Kaiserschnitt‐Geburt 1959 offenbar schwer geschä­digt. Drei Monate später hatte sie die ersten epilep­ti­schen Anfälle. Als die Ärzte mir das endlich glaubten, behielten sie Danielle für mehr als zwei Monate im Spital. Besuchen durften wir sie nur mit einer Glasscheibe zwischen uns. Nach den Unter­su­chungen sagte mir ein Arzt: ‚Ihre Tochter wird nie laufen oder reden können.‘ Am Telefon!

Dreizehn Jahre lang habe ich Danielle zuhause betreut. Eine schwie­rige Zeit, auch wenn ich sie nicht bereue. Danielle hatte bis zu zehn Anfälle täglich und war häufig unruhig und aggressiv, auch nachts. Bis heute isst sie nur püriertes Essen und spuckt alles andere aus. Zum Glück hielt unsere Ehe der Belas­tung stand und meine beiden nicht­be­hin­derten Töchter akzep­tierten Danielle, wie sie war. Nachbarn und andere Verwandte waren ebenso wenig eine Hilfe im Alltag wie die meisten Ärzte. Nach acht Jahren fanden wir den ersten Neuro­logen, der Danielle überhaupt ins Gesicht schaute. Im Nachhinein denke ich, ich hätte mich früher wehren sollen.

Als meine Schulter und mein Rücken der Belas­tung nicht mehr stand­hielten, brauchte ich eine Pause. Schnell merkten wir, dass ein Wechsel zwischen Heimbe­treuung und Zuhause Danielle nicht guttat. Schweren Herzens entschlossen wir uns, sie dauer­haft in ein Heim zu geben. Beim Abschied haben wir alle geweint.

Zum Glück nahmen nach einigen Jahren die Anfälle ab und Danielle wurde fröhli­cher. Ich besuche sie rund zwanzig Mal im Jahr und freue mich, wenn sie mich erkennt und mit einem Lächeln begrüsst. Auch für meine anderen Töchter – mein Mann starb bereits 1993 – wird Danielle immer zur Familie gehören. Rücksicht auf ihre Schwester zu nehmen, hat ihnen gut getan, das sagen sie selbst. Die Jüngere arbeitet heute mit verhal­tens­auf­fäl­ligen Kindern.“

Artikel aus Epilepsie‐News 2/2017