|Frühwarn­sys­teme: Blick in die Zukunft

Frühwarn­sys­teme: Blick in die Zukunft

2018-03-28T14:28:40+00:00

In zehn Jahren könnten solche Armbänder frühzeitig vor Anfällen warnen.

Eine Warnung mehrere Minuten vor einem drohenden Anfall – für viele Epilep­sie­be­trof­fene wäre das ein grosser Gewinn an Lebens­qua­lität. Prof. Klaus Lehnertz ist überzeugt: In einigen Jahren wird das möglich sein.  Der Professor für Physik forscht in Bonn auch an der Klinik für Epilep­to­logie.

 

Klaus Lehnertz blickt gleich doppelt in die Zukunft: Sein Ziel ist es, epilep­ti­sche Anfälle zu erkennen, bevor sie beginnen. Zudem hält es für möglich, dass Apps und „Weara­bles“, also moderne Fitness­arm­bänder, diese Aufgabe in einigen Jahren übernehmen können. „Das ist ein bisschen Science Fiction, aber nicht ganz“, sagte er auf der Veran­stal­tung der Epilepsie‐Liga in Zürich.

Lehnertz befasst sich nicht allein mit dem Thema, sondern ist mit mittler­weile rund 150 anderen Forschern weltweit vernetzt. Anhand grosser Daten­banken mit anonymen Messergeb­nissen gibt es regel­rechte Wettbe­werbe, welches System die Anfälle am besten und frühesten vorher­ge­sagt hätte. „Die Vorboten zeigen sich meistens in der anderen Hirnhälfte als der, wo später der Anfall beginnt“, erzählt Lehnertz, „und sind teilweise schon 20 Minuten vor dem Anfall zu erkennen“.

Liegt das entschei­dende Signal in der elektri­schen Hirnak­ti­vität, müsste man den Betrof­fenen einen kleinen Detektor ins Hirn implan­tieren. Nur so lässt sich die sogenannte EEG‐Kurve ständig messen. Verrückt, aber wahr: In Austra­lien wurde das bereits an 15 Personen getestet – mit gemischten Ergeb­nissen, aber ohne massive Neben­wir­kungen.

Doch gibt es noch andere Anzei­chen, die auf einen baldigen Anfall hindeuten: Zum Beispiel eine verän­derte Herzak­ti­vität, verstärktes Schwitzen oder andere Faktoren, die über die Haut gemessen werden können. Welches das beste Verfahren ist, sei noch ungelöst, sagt Lehnertz. Lassen sich Anfälle dann auch verhin­dern? Dafür gibt es noch kein Patent­re­zept – schliess­lich verlaufen sie bei jedem Betrof­fenen ein bisschen anders.

Bereits gibt es handliche Armbänder, die bei einem epilep­ti­schen Anfall Alarm schlagen. Für Lehnertz ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie frühzeitig warnen können: „Die Konzepte sind alle da, man muss sie nur zusam­men­führen.“

Artikel aus Epilepsie‐News 3/2017