|Forschungs­för­de­rung: „Gezielt stimu­lieren“

Forschungs­för­de­rung: „Gezielt stimu­lieren“

2018-03-28T14:44:18+00:00

Tiefe Hirnsti­mu­la­tion

Die Forschungs­för­de­rung 2016, dotiert mit 25 000 Franken, ging an Prof. Jean‐Marc Fritschy und Tilo Gschwind von der Univer­sität Zürich. Wir sprachen mit Tilo Gschwind.

Worum geht es in Ihrem Forschungs­pro­jekt?

Gschwind: Gemeinsam mit ameri­ka­ni­schen Wissen­schaft­lern der Stanford‐Universität haben wir ein Programm weiter­ent­wi­ckelt, das Signale im Hirn typisch für Epilepsie, sogenannte „Spikes“ im EEG, automa­tisch erfasst. Gleich­zeitig ist es möglich, in Bruch­teilen einer Sekunde darauf zu reagieren, z.B. mit kleinen elektri­schen Impulsen.

Wofür dient das?

Das blitz­schnelle Erfassen epilep­ti­scher Signale nutzen wir, um die Epilep­to­ge­nese besser zu verstehen, also wie Epilepsie – speziell Tempo­ral­lap­pen­epi­lepsie – überhaupt entsteht. Dazu bedienen wir uns einer weiteren, gleich­falls neuen Technik, der sogenannten Optoge­netik: Sie aktiviert oder hemmt ganz spezi­fi­sche Zellen mit Hilfe von Licht­sti­mu­la­tion. Die daraus gewonnen Erkennt­nisse, welche der vielen Verän­de­rungen im Hirn wirklich für die Entste­hung der Epilepsie verant­wort­lich ist, könnten poten­tiell in die Entwick­lung neuer Behand­lungs­mög­lich­keiten einfliessen.

Wie und wann können Betrof­fene davon profi­tieren?

Neben unserer Grund­la­gen­for­schung ist denkbar, mit dem Compu­ter­pro­gramm bereits bestehende Methoden zu erwei­tern, speziell die tiefe Hirnsti­mu­la­tion*. Mit Hilfe unseres Programms könnte sie in einem geschlos­senen Kreis­lauf nur dann stimu­lieren, wenn es wirklich nötig ist – also bei einem Anfall oder bei besagten „Spikes“. Damit liesse sich verhin­dern, dass eine pausen­lose Stimu­la­tion andere Hirnak­ti­vi­täten beein­flusst.

* Tiefe Hirnsti­mu­la­tion oder DBS (englisch: deep brain stimu­la­tion): Der sogenannte „Hirnschritt­ma­cher“ ist für Parkinson und andere Krank­heiten etabliert und gilt auch bei Epilepsie als zukunfts­wei­send. Wenn Medika­mente nicht helfen, stimu­lieren feine Elektroden die „Schalt­zen­trale“ im Hirn, um Anfälle zumin­dest zu reduzieren.

Artikel aus Epilepsie‐News 2/2016